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Jägerklause ***

Ort: Jägerklause, www.jaegerklause-berlin.de; Grünbergerstr. 1, Berlin-Friedrichshain
Spiel: Südafrika – Mexiko, Freitag, 11. Juni 16.00 Uhr
Machen wir es kurz, wir kennen die Jägerklause als „TV-Austragungsort“ der Spiele des VfL Bochum in Berlin. Sie ist im Sommer mit dem kleinen Biergarten eine Perle in den Friedrichshainer Häuserschluchten. Zur WM gibt es draußen eine abgeschattete Leinwand mit Rückprojektion. Und da sind wir schon beim Problem. Wenn die Sonne scheint, ist die „Optik“ für jeden am Spiel Interessierten ein Problem. Man sieht: Quasi nichts. Ansonsten ist es draußen nett und entspannt, neudeutsch: chillig. Familienfreundlich ist es auch, für die Kids steht ein Sandkasten mit Spielkram zur Verfügung. Der Grill wird angeworfen, es gibt Wurst und die bekannten guten Burger. Da ich mit einem überzeugten Mexiko-Fan da war, sind wir aber immer wieder in den großen Innenraum gezogen, um das Spiel zu verfolgen. Da das aber nur ein Bruchteil der Anwesenden auch gemacht hat, spricht viel dafür, dass hier eher das Event-Publikum angetroffen wird, für das die WM eher so eine Art „Hintergrundrauschen“ bildet. In der Pause und nach dem Spiel stand  ein „DFB-Schiedsrichter“ zur Verfügung, um strittige Fragen zu beantworten. Es hatte aber niemand eine. Der Rest ist bekannt: Es gibt Löwenbräu vom Fass und diverse andere Biere und softe Getränke.

Auf der Fünf-Sterne-Skala vergebe ich drei Sterne. Weil es uns unser Stammlokal ist und draußen wirklich nett. Als Stamm-WM-Kneipe für Leute, die die Spiele draußen auch genau verfolgen wollen, ist die Jägerklause zumindest tagsüber – leider! – nicht so recht geeignet.

Bochumer Botschaft sensationeller Zweiter bei Berliner Kicker-Meisterschaft

„Bloß nicht Letzter werden!“ „Irgendein Spiel irgendwie gewinnen!“ Das waren die einzigen Vorgaben für die erste Teilnahme der Bochumer Botschaft an der von den „Havelpralinen“ ausgerichteten Kickermeisterschaft für Berliner Fußball Fanclubs im Kreuzberger „Clash“ am Samstag (18.07.). Im Vorjahr war ein Start der Botschafter noch ausgerechnet an Hoffenheim gescheitert, deren „Hopps“ die Teilnahmegebühr knapp vor dem VfLern berappten und damit den letzten Startplatz von insgesamt 16 Teams einnahmen.

Nach dem knallharten Trainingslager am Dienstag in der „Jägerklause“ kristallisierte sich folgende Mannschaft heraus: Andreas, Frank, Jörg und Sascha. Letzterer entzog sich zwar der Trainingsbeobachtung, wurde jedoch auf Grund seiner vorhergehenden massiven Eigenpropaganda („die Wand“) ins Team aufgenommen.

Mangels sportlicher Perspektiven wurde zunächst vordringlich ein adäquater Platz für das Botschaftsbanner gesucht, gefunden und in Beschlag genommen. In direkter Nähe zur Zaunfahne wurde dann auch das Taktikzentrum eingerichtet. Hier wurde auch beschlossen, dass alle vier Botschafter unabhängig von deren jeweiliger Spielstärke möglichst die gleichen Einsatzanteile bekommen sollten.

Die Botschafter am Taktiktisch

 

Zunächst galt es für die Bochumer Botschaft, sich in der Vorrunde in einer Vierergruppe irgendwie zu behaupten. Gespielt wurden zwei Sätze, Unentschieden damit möglich. Erster Gegner war die „Komakolonne“ (Union Berlin). Mit der Besetzung Jörg (defensiv)/Andreas (offensiv) wurden mit 6:1 und 6:5 überraschend leicht die ersten Punkte unter Dach und Fach gebracht und nährten die Hoffnung, dass man tatsächlich den letzten Platz vermeiden könne.

 Inzwischen war auch Sascha, der auf der Autobahn mit blutenden Pferden konkurrieren musste und in einen Stau geriet, im „Clash“ eingetroffen. In seiner Begleitung der „große Steuermann“ Hoi-Ming, dem als gelerntem Informatiker nach der Vorrunde noch eine wichtige Rolle zufallen sollte.

Nach kurzem taktischen Austausch Zeit für das zweite Match und den Einsatz des Duos Sascha „die Wand“ (defensiv)/Frank (offensiv). Gegner nun die „Wilde 13“ aus Bremen, immerhin Fünfter des letztjährigen Turniers. Nach umkämpftem ersten Satz (6:5) war Werder der Zahn gezogen, der zweite ging glatt mit 6:2 an Blau-Weiß.

Nun begann die erste Rechnerei: War man jetzt tatsächlich schon in der Meisterrunde und hatte mit dem Abstiegskampf nichts mehr zu tun? Lange Zahlenkolonnen im Halbdunkel des Clash brachten folgendes Ergebnis: Ein Punkt, d.h. ein gewonnener Satz fehlte noch, um sicher unter die ersten Acht zu kommen. Leichte Nervosität machte sich breit. Der große Steuermann riet, sich in dieser Situation auf das Wesentliche zu konzentrieren, den Kickertisch.

Auch die Ausstattung mit derlei Rüstzeug half nichts. Gegen „Härter Treten“ (Hertha BSC), die vorher ein Mal gewonnen und ein Mal verloren hatten, setzte es die erste Niederlage für die Botschaft. Frank und Jörg versemmelten den ersten Satz mit 3:6, Sascha und Andreas dann den zweiten. Beim Stande von 5:5 fehlte hier nur noch ein einziges Tor für das sichere Weiterkommen, das fiel dann aber auf der falschen Seite. Das Wort „Lüttich“ machte mehrfach die Runde, Niedergeschlagenheit in der Taktik-Zentrale.

 

Damit gab es drei Mannschaften, die jeweils zwei Mal gewonnen hatten: Bochumer Botschaft, Wilde 13, Härter Treten. Nun galt es erneut zu rechnen, nur das aus dem Halbdunkel durch inzwischen heruntergelassene Jalousien nahezu ein Volldunkel entstanden war, was neben dem zunehmende Alkoholspiegel nicht unbedingt zur Seriosität der aufgestellten Kalkulationen beitrug . Erste Überschläge bestätigten den Lüttich-Eindruck: Die Bochumer Botschaft war ausgeschieden und musste sich nun in den Niederungen des Abstiegskampfes weiterbemühen. Der Turnier-Zettel machte die Runde und war nun bei Hoi-Ming angelangt. Der sah als Erster die Botschaft nicht nur weiter, sondern gar auf Platz 1 der Vorrundengruppe. Weitere Analysen hielten dann auch einen zweiten Platz für möglich, aber die Botschaft war auf jeden Fall weiter. Die Jury schloss sich Hoi-Mings Meinung an und setzte die VfLer auf den ersten Rang. Damit war Bochum schon mindestens Achter des Gesamtfeldes. Die Stimmung war dementsprechend und ließ auch vergessen, dass man wegen der geschlossenen Fenster inzwischen kaum noch vier Meter weit sehen konnte und atmen nur noch teilweise möglich war..

 Nun also Viertelfinale. Gegner „FC Munke“ aus Babelsberg hatte die Vorrunde recht souverän überstanden, sich aber dann mehr und mehr unter immensem Alkoholeinsatz um die Gesamtstimmung verdient gemacht. Darunter litt aber dann doch deutlich die Konzentration am Kickertisch, ehrlicherweise muss man hier fast von einem Freilos sprechen. Munke hatte den Running Gag des Abend, indem man in Mafia-Kleidung vor jedem Spiel einen Geldkoffer öffnete und das Match (leider nur mit Falschgeld) kaufen wollte. Aber die Botschaft ließ sich – natürlich – nicht kaufen: Jörg/Andreas gewannen Satz 1, Sascha/Frank dann Satz 2.

Die erwähnte schlechte Luft (so man überhaupt noch von einer solchen sprechen konnte) forderte dann auch ihr erstes Opfer in den Bochumer Reihen: Jörg musste sich Kopfschmerzen aus dem Turnier verabschieden. Blieben drei plus Steuermann für das Halbfinale. Hier sollten sich Frank und Andreas ablösen, Sascha, der sich im Laufe der Spiele wirklich als „die Wand“ präsentierte, war gesetzt.

Sascha hatte zwischenzeitlich alle für das Turnier wichtigen Papiere unter sich begraben und errechnete fünf Spiele Zeit bis zu unserem Halbfinale. Zeit genug, mal eben noch zu Curry 36 rüberzuwandern und wenigsten den Magen zu beruhigen. Falsch gerechnet. Zurück von der Frittenschmiede war das Halbfinale schon fast zu Ende. Sascha und Frank – ein Spielerwechsel mitten im Spiel machte keinen Sinn – konnten sich erneut in zwei Sätzen gegen nicht schwache „Braunschweiger Löwen“ durchsetzen.

 Jetzt war man tatsächlich wider aller Erwartung sogar im Endspiel, das natürlich das allerletzte Match im Turnier war. Engelsgeduld war angesagt, denn jede Menge von Platzierungsspielen galt es auszusitzen. Aber irgendwie ging die Zeit dann doch rum, obwohl Sascha den Alkoholverzehr in dieser Phase völlig untersagte. Gegner im Finale war der Union-Fanclub „Wuhdoo“ (so nahmen bis dahin jedenfalls alle an), die im Laufe des Turniers den stärksten Eindruck gemacht hatten. Sascha und Andreas begannen, hielten mehr als gut mit, mussten den ersten Satz letztendlich mit einem unglücklichen 5:6 abgeben. Frank hatte clevererweise darauf verzichtet, Curry 36 einen Besuch abzustatten und kam dadurch im zweiten Satz neben Sascha zum Einsatz. Im zweiten Durchgang gab es für die Botschaft nichts zu holen, 3:6. Ende, Finale verloren.

 Das tat aber der Freude über den zweiten Platz bei der ersten Turnierteilnahme keinen Abbruch mehr. Inzwischen war es spät geworden und Sascha sowie der „große Steuermann“ meldeten sich ab, Frank und Andreas blieben noch zur Preisverleihung, bei der es für die Bochumer Botschaft einen Pokal, eine Siegerurkunde sowie Kartbahn-Gutscheine gab. Gegen drei Uhr ging es dann auch für den Rest der Botschaft nach Hause.

 Etwas ärgerlich ist es, wenn man einen Tag später erfährt, dass die Gegner im Endspiel weder dem Fanclub „Wuhdoo“ angehörten, noch überhaupt Unioner waren. Offensichtlich hatte man sich ein paar Kicker-Legionäre eingeladen, was wirklich nicht im Sinne eines Fanclub-Turniers sein kann. Inzwischen wird auch ein Ausschluss von „Wuhdoo“ vom nächsten Turnier diskutiert.

Insgesamt vom Veranstalter sehr gut organisiert, nette Stimmung zwischen den Fangruppen. Die Bochumer Botschaft kommt gerne wieder.

Andreas, Frank, Jörg, Sascha – alles langjährige Fanclub-Mitglieder und VfL-Fans  😉